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Sabine Nuss zum Begriff des Eigentums [Diskurskombinat]


via communisme sucré

November 2010 – Wendland: Den Castor stoppen!

castor schottern!

Auf nach Leipzig!

STROKE.03 in Berlin

STROKE.03 seit Donnerstag in Berlin – mit leider recht ordentlichen Eintrittspreisen… Infos gibts hier!

STROKE.02 inofficial recap from INTOXICATED DEMONS GALLERY on Vimeo.

via Just!

Gewaltmonopol des Staates

Vermummte, schwerbewaffnete Cops, die auf friedliche Demonstrant_innen mit Schlägen, Tritten, Wasserwerfern und Pfefferspray losgehen, die sich angeblich „gewaltbereit gezeigt“ und dadurch für diese spezielle staatliche Behandlung qualifiziert haben. Wie es sein kann, das Vollpfosten wie Heribert Rech zu den bekannten Bildern die wildesten Fantasien über angebliche „Pflastersteine auf Polizisten“ und ähnliches von sich geben, ohne dafür selbst mal so richtige „demokratisch“ eine in die Fresse zu bekommen, fragen sich zur Zeit wohl auch Menschen, die sonst über „linke Krawalltouristen“ schimpfen. Und das ist dann auch das Einzige positive an der Sache: viele Menschen erleben mal hautnah und jenseits der üblichen verzerrenden Polizeipressemeldungen, die im Nachhinein alles immer in ein vermeintlich eindeutiges Bild rücken um ihren eigenen Einsatz zu rechtfertigen, was Staatsgewalt ganz praktisch heißt. 100e verletzte Demonstrant_innen und nicht ein verletzter Polizist – so sehen „demokratische Entscheidungsgsprozesse“ und eine angebliche „Eskalation von beiden Seiten“ aus…

Staat, Nation, Kapital, Stuttgart21 – alles Scheisse!

Staatsgewalt

Stuttgart21:

Potsdam, Bremen, Berlin: KEIN TAG FÜR DEUTSCHLAND!

Potsdam:

30.09.2010, 19 Uhr im Waschaus Potsdam (Schiffbauergasse 6)
Lesung mit Rainer Trampert und Thomas Ebermann. Eine satirische Führung durch 20 Jahre Deutsche Einheit.

Rainer Trampert und Thomas Ebermann werden an diesem Abend satirische Stücke aus ihrer über 10-jährigen Sammlung vortragen, die auf den „Deutschlandtag“am 3. Oktober zugeschnitten sind. Es wird über deutsche Flaggenparaden zu Weltmeisterschaften, Richard Wagners Oper „Die Meistersinger“, die Biografie von „Hanns-Martin Schleyer“, den Anschluss Helgolands an die Bundesrepublik, um die Enthüllung, worüber Schröder, Chirac und Putin damals bei ihrem Spaziergang durch Kaliningrad sprachen u.v.m. gehen.

Nach der Kritik „haben Trampert und Ebermann brillanten, an Marx geschulten Humor“, bei dem auch noch „vor jeder Pointe eine ernsthafte Analyse steht“ (taz). Mancherorts hatten sie „einem Teil des Publikums derart zugesetzt, dass ihnen schon zur Pause der Kopf rauchte“ (Hamburger Morgenpost). „Was das Duo präsentiert, hat den Charakter einer dialogischen Lesung, bei der die Sätze und Satzteile ineinander greifen – eine wirkungsvolle und unbestechliche Montagetechnik.“ Nur „Die Frage, wie Deutschland den Sprung in die Zukunft schafft, blieb eher offen“, kritisierte die Rheinische Post. Das ist wieder zu befürchten, weil beide die Vorsätze pflegen, dem Zeitgeist die Arglosigkeit zu nehmen, ohne sich das Denken durch politischen Pragmatismus verkleistern zu lassen.

01.10.2010, 19.00 Uhr im Waschaus Potsdam (Schiffbauergasse 6)
Mad in Germany – Multimediavortrag von der TOP Berlin Beweismittel gegen Deutschland

20 Uhr live: Egotronic, The T.C.H.I.K dj: Mr. Ties, Scheckkartenpunk u.w. auf 2 Floors

Zum Vortrag der TOP Berlin:
Vergangenheit bewältigt, Papst geworden, Lena erfunden, Exportweltmeister der Herzen – und jetzt sind sogar die Neudeutschen schwarz-rot-geil! So viel friedlich war nie! Nur „die Autonomen“ sind wieder mal dagegen, verbrennen Fahnen und erzählen was von „Ausgrenzung“, während Sami und Mesut für Schland punkten. Spinnen die?!
Könnte man meinen. Die Nation ist zwar ein großer Mist, aber ihre Kritik alles andere als einfach. Deutschland ist eben nicht nur eine „Konstruktion“, und auch nicht erst dann scheiße, wenn es rassistisch wird. Wir haben mal alle wesentlichen Argumente gesammelt, und 200 Stunden deutsche Ideologie aus Funk und Fernsehen durchforstet. Das alles präsentieren wir als multimedialen Farbanschlag. Außerdem letzte Informationen aus Bremen zum Stand der antinationalen Mobilisierung gegen den ‘Tag der deutschen Einheit’, und Bustickets zur Demo am 2.10.

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Bremen:

01. Oktober, 2o.oo Uhr im Kulturzentrum Lagerhaus (Schildstr.12-19)
„Wie normal ist Deutschland?“ Podiumsveranstaltung zur Kritik der Identifikation mit der Nation.

Das Wochenende in Bremen beginnt mit einem Diskussionsabend zur Gretchenfrage: „Wie normal ist Deutschland?“. Mit Thomas Ebermann (konkret), Ted Gaier (Goldene Zitronen), Denis Yücel (Journalist, angefragt) „…ums Ganze!“ und weiteren illustren Gästen… Moderiert von der Basisgruppe Antifa (Bremen)

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Initiative Bremen (RLI)

02. Oktober, 16.3o Uhr, Hauptbahnhof Bremen
Bundesweite Demonstration

Bundesweite Demonstration gegen die Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober!

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Berlin:

02. Oktober, 23:59 Uhr im ://about blank (Markgrafendamm 24c, S-Ostkreuz)
Deutscher Herbst. Antinationale Soireé mit BummBumm, Screenings, Kunst und Anti-Deutschland-Dingdong.

Alle, die nicht mit nach Bremen fahren, können ihr schlechtes Gewissen in gepflegtem Ambiente und mit hochkarätiger Musik im ://about blank beruhigen, und so das Aktionswochenende gegen die Nation supporten. Serviert wird das Ganze von ://about blank in Kooperation mit TOP B3rlin.

antifa graffiti action leipzig/germany


antifa graffiti action leipzig/germany
Hochgeladen von blume2010. – Sieh mehr Sport und Extremsport Videos.

BREMEN: KEIN TAG FÜR DEUTSCHLAND!

bremen 3.oktober

18.09. Komische Christen kuscheln

Das Bündnis für urbane Mobilbeschallung meldet:

„Meine lieben Freunde der rhythmisch bewegten Meinungsäußerung!

Am kommenden Samstag ziehen fundmentalistische Christen durch unsere Straßen um gegen Abtreibung zu demonstrieren. Unterstützt z.B. von Ursula von der Leyen und Christian Wulff. Ihre Argumentation: Befruchtete Eizellen sind auch Menschen und wenn die Deutschen nicht abtreiben dürfen, dann kriegen sie viel mehr Kinder und dann geht das Abendland nicht unter hat der liebe Gott gesagt. (Offizielle Seite der Abtreibungsgegnerdemo: Link)
Hmm. Hab keine Ahnung wer die Deutschen sind. Und warum sind die in Gefahr? Und was hat die Abtreibung damit zu tun? Und wer ist dieser Herr Gott der ihnen das alles erzählt hat? Und sind schwangere Frauen auch Menschen?
Wir verstehen das alles nicht und deshalb schauen wir mal vorbei, vielleicht erkären sie uns das. Vielleicht hilft es auch sie Stimmung ein wenig aufzulockern, mit Konfetti zu werfen, ein Tänzchen zu wagen und die Christen zu knuddeln und zu knutschen. Vielleicht können wir sie missionieren mit unserem Spass am leben und mit unseren geilen Ärschen zur Freiheit verführen!

Das B.U.M.S. wird das Ganze mit mindestens 3 mobilen Soundsystemen unterstützen.

Kommt in Massen!
Schreibt auf eure Schilder wie geil wir sind!
Samstag, 18.9.
Treffpunkt 12 Uhr Jannowitzbrücke
Dann wandern wir zum Neptunbrunnen

Kommt bunt!“

Außerdem:
christen

Was geschah mit Stanley Chima?

Wiedermal ein Toter bei eine Polizeiaktion in Berlin und wiedermal läßt die ofizielle Version viele Fragen offen:

Deutsch-Nigerianer starb in Britz nach Polizeikontrolle

»Mann flüchtet bei Verkehrskontrolle und bricht leblos zusammen« lautet die Überschrift einer Polizeimeldung zum Tod von Stanley Chima. Der 39-jährige Deutsch-Nigerianer wurde am vergangenen Sonntag in Britz von einer Zivilstreife gestellt, weil er am Steuer mit einem Handy telefoniert habe. Als die beiden Polizisten die von ihm gemachten Angaben überprüft hätten, sei er »unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund geflüchtet«, heißt es in dem Bericht.

Zweifel an der Polizeiversion hegt die Frau, mit der Stanley Chima telefoniert hat. Um 23.16 Uhr habe das Gespräch begonnen, berichtet sie gegenüber Mitgliedern der afrikanischen Community. Nur wenige Minuten später ereignete sich die Kontrolle, deren Beginn sie am Telefon noch mitgehört habe. Sie berichtet von einem Streitgespräch, das die Polizisten in einem aggressiven Ton geführt hätten. Unbestritten ist, dass Chima ohne gültige Fahrerlaubnis mit einem Mitsubishi unterwegs war, der auf den Namen seiner Ehefrau zugelassen war. Chima habe widersprochen, als ihm unterstellt wurde, dass der Wagen geklaut sei. Dann eskalierte der Streit offenbar und die Verbindung brach mit einem lauten Knirschen ab.

»Als seine Bekannte nochmals versuchte anzurufen, war das Handy ausgeschaltet. Später war es dann wieder eingeschaltet, aber niemand nahm mehr ab«, berichtet Mbolo Yufani, ein Aktivist der afrikanischen Community gegenüber ND. Er sprach mit der Frau, die über das Schicksal von Stanley Chima erst am Montag erfahren hat. »Wir haben viele Fragen und wollen wissen, was dort wirklich passiert ist«, sagt Yufani. So habe Chima am Telefon berichtet, gerade zu tanken. Der Ort der Kontrolle wird in dem Polizeibericht aber etwa hundert Meter von einer Araltankstelle entfernt angegeben, an einer Bushaltestelle Britzer Damm Ecke Mohriner Allee. Niemand kann sich erklären, warum er geflüchtet sein soll. Auch Benedikt Lux (Grüne) will sich dafür einsetzen, dass der Hergang dieser tödlichen Polizeikontrolle rekonstruiert wird.

Mysteriös bleibt weiterhin, dass Stanley Chima erst kurz nach Mitternacht in einem Durchgangsweg zwischen Buckower Damm und Schlosserweg von einer 54-Jährigen leblos gefunden wurde. Das ist zwei Bushaltestellen weiter stadtauswärts. Der Polizeibericht gibt keine Auskunft darüber, was die Polizisten nach Chimas Flucht unternommen haben. Zwar ist der Buckower Damm auf dem Mittelstreifen mit Eichen bepflanzt, aber er ist dennoch eine breite und übersichtliche Straße. Auch wenn es dunkel war, dürfte es schwer sein, unerkannt davonzulaufen.

Eine halbe Stunde nach Mitternacht hat ein Notarzt den Tod festgestellt. Eine vorläufige Obduktion hat ergeben, dass Stanley Chima an Herzversagen gestorben ist. Der 39-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.“

Von Stefan Otto – ND vom 04.September

Rainald Grebe übern Prenzlauer Berg

„Die Mieten sind bezahlbar, denn ich kann sie mir ja leisten!“

Das Richtige im Falschen !?!

Lesungen, Fest und Party an 2 Tagen

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Die Berliner Kollektive
://about blank // Backstube // Babylonia // Fahrwerk // Hinkelsteindruck // image-shift // Jungle World // Kraut und Rüben // Kreuzberger Taxi-Genossenschaft // Meuterei // Morgenrot // Oktoberdruck // Praxis-Kollektiv // Regenbogenfabrik // Schnittstelle // Schwarze Risse // Syndikat // Tante Horst und viele andere laden euch ein…

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Berliner Kollektivbetriebe sind ein Versuch, sich alltäglich gemeinsam ökonomisch zu organisieren, mit der Idee, das soziale, Leben in den Vordergrund zu stellen und die Arbeit nicht in erster Linie an Leistung und Profit auszurichten. Irgendwo zwischen Aneignung von Produktionsmitteln und Selbstausbeutung, Emanzipation und Prekarität stellt sich die Frage: Sind Kollektive vielleicht ein Schatzkästchen für die Tage vor dem Morgen nach dem real existierenden Kapitalismus?

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10.09 Freitag

20 Uhr Lesung von Arndt neumann dem autor von «Kleine Geile Firmen:
Alternativprojekte zwischen Revolte und Management»

»Wir leben anders! Wir arbeiten mehr als je zuvor, schaffen bis zu 14 Stunden am Tag, und die Arbeit macht uns bei weitem nicht so kaputt wie die ›nur‹ acht Stunden vorher im Betrieb. Das liegt ganz eindeutig daran, dass uns der Sinn der Arbeit klar ist, dass die weit weniger entfremdet ist.« 1976 veröffentlicht die Arbeiterselbsthilfe Frankfurt dieses Selbstverständnis. Wie viele andere Alternativprojekte dieser Zeit sah sie im selbstbestimmten und kollektiven Arbeiten einen Gegenentwurf zu der Unterordnung in Fabriken und Büros. Ob Landkommunen oder Druckereikollektive, Naturkostläden oder Alternativzeitungen:
Durch alltägliche Veränderung sollte die kapitalistische Gesellschaft überwunden werden.

»Wir leben anders!…« 2001 stellt der Trendforscher Matthias Horx das gleiche Zitat dem Managementbuch Smart Capitalism. Das Ende der Ausbeutung voran. Mit der New Economy habe sich eine neue Form des Arbeitens durchgesetzt.
Autonomie und unternehmerisches Denken seien kein Widerspruch mehr. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat sich die Bedeutung von Autonomie grundlegend gewandelt. Sind die Erfahrungen der Alternativbewegung auch heute noch ein unverzichtbarer Bestandteil emanzipatorischer Bestrebungen? Was bedeutet es heute, für autonomes und selbstbestimmtes Arbeiten einzutreten? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Buches.

Meuterei Reichenberger Str. 58 // Kreuzberg // www.meuterei.tk

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11.09 Samstag

ab16 Uhr Kaffee & Kuchen & Köstlichkeiten aus der Bäckerei, mit Bowle und einem Standard-Tanzkurs

ab 19 Uhr Alley Cat (Fahrradrennen)

19 bis 22 Uhr Musik im Garten Standard-Tanz, aufgelegt von final_girl // Filme, leckere Pasta und Weiteres

20 Uhr Lesung Der Schriftsteller und Journalist Helmut Höge war u.a. über zwei Jahre in einem Kunstprojekt über europäische Produktivgenossenschaften verstrickt, hat in diversen Kommunen gelebt und arbeitet für die taz und Junge Welt.
Er wird über Kollektive sprechen.

22 Uhr Live Sookee (HipHop) // gladbeck city bombing (ElectroQueerPunkPerformance)

24 Uhr Dance, entweder > DJ Shuffle (80s, 90s,Punk, Ska, Rock) DJ Swantje und DJ Cisnita.

oder anja zaube (brothers in music) // por.no (lisa simpsons dream) // -iaac- (stromperlen, ://about blank) // yellowman57 (the electric dog, urban echoes) // barbara hofmann (the electric dog, urban echoes)

://about blank Markgrafendamm 24c // Ostkreuz // http://aboutparty.net

Demo: Kein Gerede nur die Tat! Liebig 14 verteidigen!


Das Hausprojekt Liebig 14 ist immer noch räumungsbedroht, seit im November letzten Jahres nach langen Gerichtsverhandlungen die letzten Verträge verloren wurden. Ab Januar 2010 wurde versucht über mehrere Runde Tische mit Bezirkspolitiker_innen sowie Vertreter_innen diverser Vereine aus dem Kiez eine langfristige Sicherung des Projektes zu erwirken. Bis heute blieben die Gespräche jedoch ohne konkrete Resultate, was aus unserer Sicht nur am Mangel des politischen Willen liegen kann. Statt ihre Kontakte zum Senat oder anderen „Entscheidungträger_innen“ zu nutzen, argumentieren sie mit Handlungsunfähigkeit, was wir nach der Vielzahl von Terminen als bloße Hinhaltetaktik empfinden, denn keine Entscheidung ist auch ein Entschluss. Eine Sicherung der Liebig 14 auf diesem Weg scheint uns deshalb zunehmend unrealistisch, weshalb wir eine Weiterführung der Verhandlungen wie bisher nicht in Betracht ziehen.

Unfähigkeit werfen wir jedoch nicht nur den direkt Beteiligten des Runden Tisches vor, sondern insbesondere auch den Eigentümern S. Beulker und E. Thöne, sowie Senatspolitiker_innen und Vertreter_innen des Liegenschaftsfonds, welche sich ihrer Verantwortung entzogen und trotz mehrmaliger Einladungen durch Abwesenheit glänzten. Das zeigt einmal mehr ein grundsätzliches Problem, nämlich den Verweis auf einen angeblich privaten Rechtsstreit, anstatt sich die eigenen Fehler in der aktuellen Stadtpolitik einzugestehen.

Am 13. September 2010 wird es während des Intersquat-Festivals einen letzten Versuch von uns geben, über einen Runden Tisch zu einer Lösung zu kommen. Ohne eine konkrete Lösung an diesem Termin sehen wir uns gezwungen in Zukunft anderweitig politisch aktiv zu werden. Wir können nicht länger warten, denn die alltägliche Bedrohung durch eine gewaltsame polizeiliche Räumung ist für uns ein unhaltbarer Zustand. Auch wollen wir uns nicht weiter abhängig machen von Entscheidungen anderer Menschen, nur weil diese vorgeben für unsere Interessen einzutreten. Wir werden die Sache selbst in die Hand nehmen. Das heißt: Wir werden gemeinsam versuchen, das Problem über Aktionen in eine öffentliche Diskussion zu bringen – und „das Problem“ ist für uns nicht nur die Bedrohung der Liebig 14, auch nicht die verfehlte Stadtpolitik, sondern die kapitalistische Gesellschaft mit all ihren Herrschaftsformen an sich!

Am 13. September, dem Tag des letzten Runden Tisches wird es deshalb um 15.30 h eine Demonstration unter dem Motto „Kein gerede, Nur die Tat…“ geben! Treffpunkt ist Frankfurter Tor. Unterstützt die Demo und bleibt kreativ! Die genaue Route der Demo, sowie weitere Infos findet ihr in den nächsten Tagen! Achtet auf Ankündigungen auf unserem Twitter-Account!

Wir bleiben alle!

liebig14

BLU: BIG BANG BIG BOOM

BIG BANG BIG BOOM – the new wall-painted animation by BLU from blu on Vimeo.

via 5dimension

Übungsladen fürs Bio-Prekariat

Es ist Sommer in Nord-Neukölln, und ich wünsche mir nichts sehnlicher herbei, als eine repräsentative Gruppe prügelnder Freibad-Jugendlicher. Ich könnte sie gut gebrauchen, denn vor meiner Wohnung tobt ein ganz anderer Kampf. Touristen, Bio-Miliz und jene, die sie wittern, drängen den Stadtteil an den Arsch der Hölle zur Gentrifizierung. Da darf man nicht lange fackeln, da müssen schnell empfindliche Strafen her, damit hier keine Parallelgesellschaften entstehen.

Das Erste, wo die gewalt-toleranten Jugendlichen Hand anlegen könnten, wären die Ausflugsdampfer auf dem Landwehrkanal. Nicht alle, nur die mit dem automatisierten Tonband, das genau vor meinem Balkon sagt: „Die doppelte Anzahl, also 20 Personen …“, um dann auf der Höhe des Wohnzimmers fortzusetzen: „… denn eine solche Sitzung nimmt im Durchschnitt fünf Minuten …“ und schließlich in der Küche hinzuzufügen: „…inklusive Ordnung der Kleider“.

Ich habe lange gebraucht um rauszufinden, worum es hier geht – und seitdem ich es weiß, ist es noch schlimmer: Es geht um Plumpsklos in früheren Arbeiterhäusern im Allgemeinen und um die Stuhlgangdauer im Besonderen, angereichert mit Zahlen und Fakten. Morgen werde ich die Betreiber anrufen, vielleicht können sie ihr Band dieses Jahr ein bisschen früher oder später starten, so dass die Informationen auch mal anderen Anwohnern beim Frühstück zugute kommen. Wenn nichts passiert, kann ich immer noch ein Transparent raushängen: „Ich brauche länger!“

Mein Balkon liegt über dem Maybachufer Markt, den das Fähren-Tonband „Klein-Istanbul“ nennt, was sie bei der Reorganisation ihrer Aufnahme gleich in „Klein-Loneley-Planet“ umbenennen könnten, und an dem es nun auch Bio-Gemüse, Bio-Chai-Lattes, Bio-Massagen und Bio-Musikanten zu kaufen gibt.

Der erste Bioladen Nord-Neuköllns wirbt damit, dass ein Brot hier nicht nur 2,80 Euro kostet, sondern gleichzeitig 2,50 Euro, damit auch arme Menschen sich Bio leisten können. Auch sonst ist der Laden etwas ganz Besonderes: eine „Übungsfirma“ für „Berufsrückkehrer und Einsteiger“, so steht es an der Schaufensterscheibe. Das Tolle an dieser Übungsfirma ist, dass sie im Kiez „Arbeitsplätze“ schafft. Nun gibt es allerhand einzuwenden gegen Arbeitsplätze: Allein das frühe Aufstehen, der wenige Urlaub, doofe Chefs und nervige Kollegen … Das Einzige, was nicht als ganz so schlecht an Arbeitsplätzen gelten kann, ist, dass man dafür Lohn bekommt (natürlich nicht so viel, wie man erarbeitet hat, versteht sich). Der Nord-Neuköllner Bioladen aber ist ein „soziales Projekt“, so steht es auf dem Schild, und als solches hat es diesen entscheidenden Vorteil von Arbeitsplätzen – sagen wir mal – nicht nötig: „Alle, die hier arbeiten, sind Ehrenamtliche und Praktikanten.“ Man kann hier üben, ganz ohne Geld zu arbeiten, das wird sicher in Zukunft eine nicht zu verachtende Kernkompetenz.

Das soziale Projekt ist jedoch „zurzeit leider ohne Fördergelder“. Das ist in der Tat skandalös. Sollten nicht in Zeiten der weltweiten Krise gerade solche Projekte gefördert werden? Von ganz oben? Von der EU oder der Weltbank? Vielleicht sollten aber auch die Berufsrückkehrer etwas dafür bezahlen, dass sie in den Beruf, äh … fast, also, vielleicht, bestimmt, ganz bald, irgendwann zurückkehren. Vielleicht würde das Ohne-Lohn-Arbeiten auch viel mehr wertgeschätzt, wenn man dafür bezahlen müsste. Und Wertschätzung kann der Bioladen immer brauchen: „Um unsere langen Öffnungszeiten zu gewährleisten, suchen wir dringend noch engagierte Menschen, die unser Projekt unterstützen.“ Auch „interessante Ideen und Anregungen sind willkommen.“ Ich will der Kreativität an dieser Stelle nicht zu viel vorgeben (und mich nicht strafbar machen), aber vielleicht fallen Ihnen, liebe Leser, da auch ganz spontane, interessante Ideen ein.

Morgen früh werde ich ein Bio-Brot für arme Menschen kaufen, von meinem Übungsgehalt für Übungsartikel in diversen Übungszeitschriften. Dafür gehe ich zum Bäcker an der Ecke, der sich inzwischen auch das offizielle sechseckige Bio-Siegel auf die Scheibe geklebt hat. Es ist billiger da und geht schneller. Für die Fährenbetreiber und an meine Nachwelt: fünf Minuten. Inklusive Ordnung der Kleider.

Von Ellen Wesemüller, Berliner Zeitung vom 27. August

2. Hedonistische Wohnungsbesichtigungs-Rallye Berlin

Bremen: 3.Oktober!

Hedonistische Wohnungsbesichtigungs-Rallye Berlin-Friedrichshain

Dorfplatz: Rechtsfreier Raum

Wenn der Notstand zur Routine wird: Keine Pressemeldung ist der gestrige Überfall (anders ist es wirklich nicht mehr zu nennen) der Einsatzhundertschaften der Polizeidirektion 2 (Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf) und 3 (Mitte, Tiergarten und Wedding) auf etwa 20 Personen vor dem Hausprojekt Liebig34 an der Liebigstr. Ecke Rigaerstr. in Berlin-Friedrichshain, wert. Im Rahmen der Amtshilfe ordert der Friedrichshainer Abschnitt 57/58 am Wochenende regelmäßig Einsatzhundertschaften aus anderen Bezirken um die „öffentliche Ordnung“ am polizeilichen HotSpot „Dorfplatz“ sicherzustellen.
Diesmal kamen sie schon kurz vor 21 Uhr, die Sonne war noch nicht untergegangen, die Lage entspannt. Die Helme locker am Gurt tragend, schlüpften rund 15 PolizistInnen aus zwei Wannen um Leute vor dem Projekt aufzuscheuchen. Der Verkehr kam jetzt wirklich mal zum Erliegen.
Ein Mann sitzt lässig auf einer Bank vor der Liebig14 und telefoniert. Drei PolizistInnen nähern sich und fordern den Pass. Der wird sofort gezückt – ohne Mosern, aber auch ohne Angabe von Gründen. Alle anderen werden vom Rest der Beamten in Schach gehalten – schweigend steht man sich gegenüber. „Was ist los?“ fragt eine Frau mit Fahrrad, die sich nicht vorbei traut. Keiner weiß es, liegt nichts vor, unklar – „Is doch immer das gleiche“, meint ein Cafe-Trinker vor der Bäckerei, „– die sind sauer wegen den Autonomen, die hier rumsitzen. Letzte Woche haben sie alle Bänke abgeholt, jetzt stehen neue da – is doch klar, dass sie da rauf haun.“ Na, so klar ist das nicht.
Was denn die Rechtsgrundlage sei, will jemand wissen. Ein freundlicher Bulle gibt Auskunft: „Wir nehmen die Personalien auf, weil wir davon ausgehen, dass der junge Mann auf der Bank, zu dieser gehört bzw. andersrum und hier das öffentliche Straßenland unsachgemäß genutzt wird.“ Aha. Da der Bürgersteig noch locker begehbar ist und die Bank vor der Liebig14 seit Wochen da steht, wird gefragt ob das Ordnungsamt hierüber nicht zu entscheiden hat und ob mal mit dem Hausbesitzer darüber verhandelt wurde. Seit wann ist eigentlich die Polizei für solchen Quatsch zuständig? Praktisch nur wenn davon auszugehen ist, dass Gut und Leben von Dritten auf dem Spiel steht und adhoc eilbedürftig Handlungen erfolgen müssen, die eine Schädigung verhindern. Offensichtlich liegt die Eilbedürftigkeit nicht vor, der Mann muss seine Personalien trotzdem abgeben, die Bank bleibt stehen.
Gegen 22 Uhr, nicht weniger als sechs vollbesetzte Wannen verstopfen den Bersarinplatz. Alle sind am Rauchen und Geschichten erzählen. Eldenaer Str. nochmal eine Wanne; Liebigstr. kurz vor dem Frankfurter Tor und Proskauerstr. das gleiche Bild. Hmm. Sponti, Massenansammlung, Nazialarm? Weit gefehlt. Vor der Liebig34 sitzen weiterhin 20 Personen auf dem Gehweg, labern in Zimmerlautstärke, trinken. Alles ist dunkel, die Laternen sind wohl aus. Plötzlich zwei Wannen aus unterschiedlichen Richtungen. Deutlich schneller als beim ersten Besuch stolpern die KollegInnen aus den Wannen und scheuchen die Leute hoch. Einer ruft „Rennt, rennt – die Bullen“. Ein paar werfen den Eingang zum Hausprojekt zu, verbarrikadieren sich. Die Beamten stemmen sich gegen die Tür, schieben, drücken, setzen mit den TonFas an – alles vergebens. Wieder die Frage von umstehenden PassantInnen „Was ist los? Is was geflogen? Warum wollen sie da rein?“ – Keiner weiß was, unklar, es soll wohl um die Bänke gehen und dass jetzt nach 22 Uhr die Möglichkeit da ist wegen „Ruhestörung“ einzugreifen. „Wenn sie drinnen sind wird ihnen schon was einfallen, um die Hausprojekte zu stressen. Gehen wir lieber auf Nummer sicher.“ meint eine BewohnerIn drinnen.
Wieder die Bäckerei-ExpertInnen von gegenüber: „Das dauert fünf Minuten. Wenn sie nicht reinkommen, haun sie gleich wieder ab – is hier immer so. Gehört dazu.“ Zum Spiel. Und tatsächlich – zwei Minuten dauert das Drücken und dann: Kommando kehrt. Ab in die Wanne und wieder zurück zum Bersarinplatz. Am Dorfplatz kommen auch alle Verscheuchten wieder zusammen – Adrenalinstoß mit Sterni abkühlen, sich setzen, versuchen die laue Sommernacht genießen. Einige gehen – zu stressig, zu blöd um mit dem Bullen und dem ganzen Aufgemotze den Abend zu verbringen. „Auf der Admiralsbrücke sollten sie das mal versuchen, das gäbe einen Riesenaufschrei.“ meint ein Nordneuköllner.
dorfplatz
Während Polizeipräsident Glietsch immer mehr Polizeibeamte fordert, die Strafen für „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ verschärft und Fälle von überzogener Polizeigewalt, z.T. trotz öffentlichem Interesse, nicht ordentlich verfolgt werden, kann jedes Wochenende am HotSpot Dorfplatz dieses absurde Schauspiel bestaunt werden. Eine Einsatzroutine, die zum Ziel hat, die wenige unangepasste Alternativkultur, die diese Stadt noch in Nischen zulässt, auszumerzen. Dass hier Kriegsmetaphern vorherrschen und die Frustration, im Angesicht der unkontrollierbaren Übermacht leinenloser Bullen, immer mehr steigt, ist nachvollziehbar.
Den „rechtsfreien Raum“, der für diese Ecke immer mal wieder von progressiven NutzerInnen des öffentlichen Straßenlandes reklamiert wird – z.B. um illegal Zebrastreifen auf die Straße zu malen, machen sich die Bullen nunmehr selbst zu nutze und agieren nach Belieben, ohne juristischen Widerspruch von den Betroffenen fürchten zu müssen. Die Abscheu sich mit den Mitteln des Systems gegen das System zur Wehr zu setzen, führt offenbar ausweglos in einen ungleichen Kampf, in dem die erfolgreiche Verteidigung des Hausflurs zu euphorischen Siegeshymnen verleitet.

via http://daneben.blogsport.de