Archiv für März 2010

Was wird aus der A 6 in Kreuzberg?

„Berlin ist „in“, die Mieten steigen rasant an, viele MieterInnen können sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten und müssen kleinere Wohnstätten in den Randbezirken suchen. Besonders betroffen sind Bezirke wie Kreuzberg, in denen es noch unsanierte Altbauten gibt und viele Menschen mit wenig Geld. Diese Entwicklung ist seit Jahren bekannt. Was weniger bekannt ist, sind die Machenschaften von manchen Vermietern, denen nahezu jedes Mittel recht ist, um mehr Kapital aus alten Wohnstrukturen zu schlagen. Dies ist besonders der Fall für die A6, die als Paradebeispiel für eine kurze Geschichte der Verdrängung aus den berliner Innenbezirken stehen kann.
Das erste Haus gleich hinter dem Kreuzberg Zentrum, die Adalbertstr. 6, kennen viele wegen seines großen Wandgraffitis an der Brandwand, seiner beklebten Fassade und aus vergangenen Tagen. Dass das Haus heute noch steht, ist ein Ergebnis der Hausbesetzung im Juni 1980, als die Altbauten Kreuzbergs vom Abriss bedroht waren. In den 80er Jahren, als Folge der Instandbesetzungsbewegung, war die „A6“ ein Hausprojekt im Eigentum der städtischen Gewerbesiedlungs-Gesellschaft GSG. Unter deren nomineller Verwaltung konnte die Hausgemeinschaft das Haus ihren Vorstellungen gemäß nutzen und ihre Angelegenheiten selbst verwalten. Etagenmietverträge mit weitreichenden Zusatzvereinbarungen wurden abgeschlossen, die Erdgeschosswohnung wurde als Nachbarschaftsladen genutzt und vieles wie Hofbegrünung, Hausreinigung, der Ausbau und die Nutzung des Dachbodens, eine Werkstatt im Hof oder ein offener Gemeinschaftskeller wurde gemeinschaftlich organisiert. 25 Jahre blieb für die A6 im Großen und Ganzen alles beim Alten, wenn auch die WGs wechselten, die politische Außenwirkung des Hauses verblasste, die GSG ab und zu nörgelte und manche BewohnerInnen die Geschichte des Hauses nur noch aus dem Kreuzberg-Museum gegenüber kennen.

Doch als 2005 die GSG ihren Wohnbestand zur Privatisierung reduzierte und die T. Akar Hausverwaltung, namentlich die Gesellschafter Tefvik Akar und Hasan Durak, das Haus erwarb, sollte sich schnellstens alles ändern. Einer der ersten „Amtshandlungen“ des neuen Vermieters Akar war es, die Tür zum Hof gewaltsam einzutreten. Selbstverständlich kamen mit dem neuen Vermieter sofort Mieterhöhungen und der Versuch, die Mietverträge ungünstiger für die MieterInnen zu gestalten. Die Nutzung vom Gemeinschaftskeller sowie der Werkstatt wurde verboten. Fahrräder und Eigentum aus dem Gemeinschaftskeller wurden ohne Zustimmung der MieterInnen entfernt und zerstört. Ein Hausmeister wurde angestellt, obwohl die Hausgemeinschaft dessen Tätigkeiten vorher selbst übernommen hatte. Die Liste der Schikanen des Vermieters gegen die HausbewohnerInnen ist schier unendlich. Die Hofbegrünung und die Kompostanlage wurden zerstört. Der Fluchtweg (auch wichtig während Demonstrationen) über das Dach wurde gesperrt, Pflanzen im Treppenhaus verboten und schließlich auch die Nutzung des Nachbarschaftsladens untersagt. Für das Erdgeschoss verkündeten Akar und Durak früh ihre Pläne: Dort seien Gewerberäume geplant, z.B. ein Restaurant, eine Anwaltskanzlei oder ähnliches. Den ersten Kündigungsprozess wegen angeblich vertragswidriger Nutzung der Wohnung verloren sie jedoch. Seitdem klagt Hasan Durak, auf Eigenbedarf für die Wohnung des ehemaligen Nachbarschaftsladens. Wie glaubwürdig die Behauptung ist, dass ein Immobilienbesitzer mit seiner Familie in eine Erdgeschosswohnung, die wie der Rest des Hauses mit Kohleofen beheizt wird, einziehen will, wird derzeit in zweiter Instanz gerichtlich geklärt.

Von Anfang an verweigerte die Hausverwaltung den Dialog. Mehrmals versuchten die HausbewohnerInnen, sich mit den Eigentümern zu einigen. Ihnen wurde z. B. eine zusätzliche Miete für die Werkstatt vorgeschlagen, aber die Hausverwaltung stellte sich stur und schikanierte stattdessen mit massiver Postsendung (Verbot von Heizen mit Holz, Androhung von Videoüberwachung etc.).
Die Geschichte geht weiter. Neben der permanenten Schikane bis hin zu Drohungen gegen einzelne BewohnerInnen wurde im vergangenen Jahr unter dem Vorwand von Reparaturen ein Gewerberaum an der Stelle des Fahrradraums gebaut. Seither gibt es ein Internet-Café im Haus, das Tag und Nacht geöffnet hat. Die Kohle, die bisher im Hof untergestellt war, musste deshalb in den Keller, doch die Vermieter wollten keinen Lagerplatz zu Verfügung stellen.
Während die T. Akar Hausverwaltung ihre Arbeitszeit dafür aufwendet, ihre MieterInnen am störungsfreien Wohnen zu hindern, müssen diese ihre Freizeit dafür aufwenden, um u.a. zum Anwalt zu gehen und seine Angriffe abzuwehren. Mietparteien bekommen weiterhin unzulässige Mieterhöhungen, werden permanent abgemahnt, und wenn Mängel gemeldet werden, werden diese auf eine Art und Weise behoben, die einem/einer den Geschmack daran nehmen soll. So werden beispielsweise reparaturbedürftige Kachelöfen durch gebrauchte Allesbrenner ersetzt.
Bis heute haben die MieterInnen stetig an Wohnqualität verloren und ohne den Nachbarschaftsladen leisten sie keinen Beitrag mehr zu den kulturellen, politischen Diskussionen im Kiez. Was wird an die Stelle kommen? Eine weitere edle Bar? Ein Designerladen? Oder noch ein zweites Internet-Café?

Im Juni 2010 liegt die Besetzung der Adalbertstr. 6 dreißig Jahre zurück. Auch wenn einige MieterInnen das Haus verlassen haben: noch haben sich die meisten nicht verdrängen lassen. Dies u.a. dank der Unterstützung der Mieterberatungsstellen. Wie lange noch? Was plant die T. Akar-Hausverwaltung als Nächstes? Die in Neukölln in der Ringbahnstr. 28 ansässige Immobiliengesellschaft, besitzt noch weitere Häuser in der Adalbertstraße, in Kreuzberg und in anderen Stadtbezirken. Wichtig wäre der Informationsaustausch zwischen den BewohnerInnen der Häusern der Akar-Hausverwaltung, denn die MieterInnen der Adalbertstr. 6 sind wahrscheinlich nicht die Einzigen, deren Wohngrundlage bedroht wird. „

Artikel von Indymedia.

Mediaspree entern! – Vorbereitungstreffen am 26.3.

mediaspree

Räumung in der Bödikerstr. 9

Die cops haben der Gerichtsvollzieherin mit aller Gewalt den Weg frei gemacht. Berichte gibt es hier.
Staat. Nation. Räumung. Scheiße.

Freitag in Berlin: Straßen aus Zucker-Soliparty

Die nächste Soliparty für die dritte Ausgabe der „Straßen aus Zucker“ steht an:
Am Freitag, den 19.März ab 22 Uhr.
Mit dem Footloose DJ Squad (Three Decades Of Disco Trash), Yonina (Alltimes) und dem Reducation DJ Team (Electro).
In der Scherer8 (Schererstr 8, 13347 Berlin – S+U Wedding und U Nauener Platz).
Kommt vorbei und feiert mit: POP, DISCO UND REMMIDEMMI
straßen aus zucker

Aufruf zur bundesweiten Demonstration am 17.04.10 um 14.00 Uhr am Bhf. Erfurt

Während im Keller noch eine Band Soundcheck macht, wird in der ersten Etage die Frage diskutiert wie der Naziaufmarsch am 1. Mai verhindert werden kann. Das Essen ist bald fertig, letzte Getränke werden in die Bar sortiert und langsam trudeln die ersten Gäste ein. So hätten wir das gern – haben wir aber nicht. Wir haben keinen Raum für all dies!
erfurt
Für Gesellschaftskritik brauchen wir Räume: Räume in denen Nazis keinen Zutritt haben. Räume in denen kein Platz für Diskriminierungen ist. Räume in denen Infoveranstaltungen, Vorträge, Diskussionen und Workshops stattfinden können. Räume für Parties und Konzerte unabhängig von Geldbeutel und Aussehen. Räume, um Essen für alle zu kochen. Räume um gemeinsam Aktionen zu organisieren oder einfach nur rumzuhängen. Räume, um die eigene Kritik zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
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Anarchist in Athen von der Polizei ermordet

Quelle: Occupied London/After the Greek Riots, eigene Übersetzung, auf der gleichen Webseite findet mensch auch einen Newsticker zum heutigen Generalstreik in Griechenland.

athen

Der 35 Jahre alte Genosse Lambros Fountas wurde am Mittwoch morgen von den Bullen im Vorort Dafni (Süd-Athen) ermordet.

Die Polizei behauptet, er sei ein “Terrorist” gewesen, der erschossen wurde, als er versuchte, ein Auto zu stehlen und dass er Schusswaffen mit sich führte. Fountas war einer der 500 AnarchistInnen, welche während des Riots im Politechnikum 1995 inhaftiert worden waren.

via http://entdinglichung.wordpress.com

Timetable Action Week for Bödi9

bödi9
Mi., 10.3.

19:00 Infos und Diskussion zur Räumung unserer EG-Wohnung am 16.3.
21:00 Vokü

Do., 11.3.

20:00 Vokü
21:30 Performance „Report to an Academy“ (von Kafka)
und danach Film „The Trial“ (nach Kafka)

Fr., 12.3.

14:00 Transpi-Workshop (bring material if you can)
18:00 Film „The strategy of the snail“ (about the inventive plan
against a landlord in Bogota, spanish with english subtitle)
20:00 Vokü
21:00 Konzert „Geigerzähler“ und danach Jam-Session

Sa., 13.3.

15:00 Open Plenum
(to get and spread info about eviction of our ground floor apartment)

So., 14.3.

13:00 Brunch
15:00 Infos und Diskussion zur Räumung unserer EG-Wohnung am 16.3.

Di., 16.3.

9:00 Räumung verhindert! Prevent eviction!
Mit Frühstück, Musik und buntem Protest…

you can find us:

Bödikerstr. 9

10245 Berlin

S Ostkreuz

QG, Eingang im 2. Hinterhof

MediaSpree entern! Veranstaltung und Aktionsplanung

Frei­tag / 12. März / 19 Uhr
RAW / Thea­ter­loun­ge / Re­va­ler Str. 99 / Fried­richs­hain

entern.
Im Som­mer 2008 stimm­ten, als Hö­he­punkt eines brei­ten Pro­tests gegen Me­di­as­pree, 87% der An­woh­ner_in­nen gegen die Bau­vor­ha­ben am Spree­ufer. Trotz­dem gehen die Pla­nun­gen und Bau­ak­ti­vi­tä­ten mun­ter wei­ter. Am Ost­ha­fen ent­ste­hen immer neue Be­ton­blö­cke, das al­ter­na­ti­ve Pro­jekt Schwar­zer Kanal muss einer Bau­stel­le wei­chen und wei­ter­hin ist kei­ner­lei so­zia­le oder un­kom­mer­zi­el­le Nut­zung am Spree­ufer vor­ge­se­hen.
Die ge­plan­ten Pro­jek­te wer­den die Mie­ten in den an­lie­gen­den Ge­bie­ten wei­ter stei­gen las­sen. Sie sind also Bei­spie­le einer
Stadt­po­li­tik, die den Fokus auf die At­trak­ti­vi­tät für In­ves­to­ren und den Pro­fit legt und nicht auf die Be­dürf­nis­se der Men­schen. Im Ge­gen­teil: Me­di­as­pree und die herr­schen­de Stadt­po­li­tik grün­den auf dem Aus­schluss all jener Leute, die sich die schi­cken neuen Bau­ten nicht leis­ten kön­nen.
Wir wol­len die­ser Ent­wick­lung nicht ta­ten­los zu­se­hen und pla­nen des­we­gen eine große Ak­ti­on im Som­mer 2010. Wir wol­len uns das Spree­ufer selbst an­eig­nen und die Me­di­as­pree-​Pro­jek­te wie­der of­fen­siv an­grei­fen. Bei der Ver­an­stal­tung wird über den
neu­es­ten Stand vom Spree­ufer be­rich­tet und die Ak­ti­on vor­ge­stellt. Je mehr Men­schen bei der Vor­be­rei­tung und der Ak­ti­on
mit­ma­chen, desto bes­ser wird es uns ge­lin­gen, den In­ves­to­ren und Po­li­ti­kern ge­mein­sam in die Suppe zu spu­cken.
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WBA Stellungnahme zur Brunnen183

„Nach einem intensivem Diskussionsprozess, hier jetzt die Stellungnahme zur Brunnen183:

Die WBA verurteilt das Schaffen und Aufrechterhalten von Angsträumen, patriarchalen und hierarchischen Strukturen, sexistischen (Rede-)Verhaltens, die sexualisierte und körperliche Gewalt und sexuellen Übergriffe in der Brunnenstraße 183 (in Berlin) und hat schwere Zweifel an dem Selbstverständnis des Hausprojektes. Uns ist bekannt, dass im Projekt insbesondere in der Zeit ab dem 18.06.09 sehr viele unterschiedliche Menschen gelebt haben, es jedoch auch einen festen Kern von Bewohner_innen gab, die bis zur Räumung im Haus blieben. Trotz der hohen Fluktuation gab es immer wieder Übergriffe, auf die fast keine_r der Bewohner_innen reagierte.

Umso wichtiger erscheint uns eine Reflektion insbesondere der Prozesse und Strukturen, die dazu geführt haben, dass diese Vorfälle weder innerhalb des Hauses noch innerhalb der WBA aufgearbeitet und die Betroffenen allein gelassen wurden.
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Räumung in der Bödiker9 am 16.3. um 9.00Uhr

Wie WBA und andere berichten, steht am 16.März eine Räumung in der Bödiker9 an:

„Wie bereits befürchtet steht nun ein Räumungstermin für die EG-Wohnung im Quergebäude der Bödikerstr. 9 fest (Di. 16.3.2010 um 9:00). Obwohl z.Z. noch eine Rechtsbeschwerde beim BGH anhängig ist, da das Landgericht Berlin seine Zuständigkeit für die Berufung der Räumungsklage verneint hatte, will die Gerichtsvollzieherin das Urteil des Amtsgerichts Lichtenberg vom 24.03.2009 zwangsvollstrecken. Dabei hatten die BewohnerInnen des Hausprojekts zuletzt auf erneute Verhandlungen mit den Eigentümern Lin und Robert Prenka (Platinum Consult s.r.o.) gehofft, die Bezirksbürgermeister Franz Schulz moderieren wollte.
In Folge der langen Auseinandersetzung mit den Eigentümern und der nun angekündigten Räumung der EG-Wohnung droht einer der letzten alternativen Freiräume im Stralauer Kiez zu verschwinden.
In der Woche vor der Räumung werden in den Räumen verschiedene Veranstaltungen stattfinden…weitere Ankündigungen siehe Stressfaktor/wba.blogsport.de , oder schaut einfach vorbei.

Solidarität mit den bedrohten Projekten!
Wir bleiben alle!