Offener Brief an Berliner Wohnprojekte, Häuser und Wagenburgen

„Liebe Wohnprojekte, ehemals besetzte Häuser und Wagenburgen,

wir erleben gerade eine Welle der Repression gegen Eure und damit auch unsere Strukturen. Nach der Durchsuchung der Liebig 14 und 34 und der Räumung der Brunnenstraße 183 ist klar: nicht nur die Springerpresse, sondern auch der Innensenator und der rot-rote Senat haben Euch – und damit auch uns – auf dem Kicker.

Uns ist aufgefallen: es gibt Solidarität, recht große Demos und viel Wut – aber wirklich breit ist der Protest noch nicht. Wir glauben aber, dass der Protest größer, bunter & stärker werden muss.

Um es klarzustellen: die Berliner Sektionen der Hedonistischen Internationale sind solidarisch mit Euch.

Wir wissen, wie wichtig linke Strukturen und Freiräume für den Protest und die Linke als Ganzes sind.
Wir fühlen uns mit Euch verbunden & sehen unsere gemeinsame Stärke in der Vielfalt.
Wir haben auch keine Lust auf eine glatte, langweilige, totsanierte Stadt ohne Freiräume.

Wir möchten Euch unterstützen, weil es schon bisher so viele Berührungspunkte, gemeinsame Aktionen, Demos und gegenseitige Unterstützung gab.

Wir sollten aber noch mehr Leute gewinnen. Denn die Polizei und der Senat können ihre miesen Nummern gerade durchziehen, ohne dass sie wirklich in Bedrängnis geraten.

Deshalb schlagen wir vor: Öffnet Eure Häuser, Eure Wagenplätze!

Wir wissen, dass es in dieser Richtung schon viele Aktivitäten gibt, vom Stadtteilladen bis zum Konzert – doch es könnten noch mehr werden.

Es geht hier um eine einfache strategische Rechnung:
Menschen, die etwas Schönes an Euren Orten erlebt haben und so den Wert dieser Freiräume erkennen, werden sich mit Euch solidarisch zeigen. Denn wer einmal bei Euch Spaß, Freude oder einen schönen Abend hatte, der wird die Räumung Eures Hauses oder Wagenburg nicht so einfach hinnehmen.

Es wird ja schon viel in diese Richtung unternommen. Ihr ladet Menschen aus der Nachbarschaft konkret und direkt zur VoKü ein, oft gibt es ein kleines Kinoprogramm, Parties werden auch gefeiert, oder über aktuelle politische Lagen informiert. Das ist schön und muss weiter gemacht und vielleicht mehr werden. Es ist wichtig, dass mehr Leute in die Häuser und Wagenburgen kommen, die noch nie in einem/r waren. Es gibt so viele Ansätze, die sich ausbauen lassen. Und ihr habt sicher die besten Ideen, wie so etwas aussehen könnte.

Es geht nicht darum, sich zu verbiegen um irgendeinem Mainstream zu gefallen, sondern darum, neue Bündnispartner_innen zu finden & dem Senat so noch vielfältiger den Stinkefinger entgegen zu strecken.

Wir sollten zusammen zeigen, wie wichtig Wohnprojekte, linke Häuser und Wagenburgen für das Leben in der Stadt sind und die Herzen der Menschen gewinnen, die uns heute unter dem politischen Kampfbegriff „Linksextremisten“ subsumieren.

Das bringt noch mehr Solidarität und Widerständigkeit in die Stadt – und das wollen wir doch alle!

Mit solidarischen Grüßen,

Zentralrat der umherschweifenden Hedonist_innen
Aktionskomitee Nudistische Offensive (AKNO)
Sektion Sonne und Solidarität (SONSOL)
weitere Sektionen (tba)“

via http://www.hedonist-international.org